The beach is my happy place

Diesen Satz lese ich im Sommer besonders häufig auf verschiedenen Social Media Plattformen, geschrieben von jungen Frauen, oft blonde, blauäugige Schönheiten aus Ländern in denen ein Strand eher selten bzw. nirgendwo zu finden ist. Auch die Bilder dazu sind ähnlich: lange Haare vom Winde verweht, ein verträumter Blick und der „Beach Body“ im perfekten Winkel abgelichtet.

Natürlich mögen die meisten Menschen den Strand. Am Strand zu sein bedeutet meistens, dass man gerade Urlaub hat und nicht arbeiten muss. Es bedeutet, dass man alle seine Sorgen am Flughafen gelassen hat und bereit ist sich zu entspannen. Egal ob mit einem guten Buch oder den eigenen Gedanken, am Strand kann man so richtig abschalten. Am Strand zu sein bedeutet, dass man gerade wahrscheinlich ein Stückchen Welt sieht, das man zuvor noch nie gesehen hat. Ein neues Land, eine neue Region oder einfach eine neue Stadt. Man hört eine Sprache, die nicht die eigene ist, isst Dinge, die man so zuhause nicht kochen würde und trägt Kleidung, die man nur dort trägt.

Wenn ich diesen Satz lese, muss ich in letzter Zeit einfach nur schmunzeln. The beach is your happy place. – Really? Ist es wirklich der Strand, der dich so glücklich macht oder einfach nur die Tatsache, dass du gerade dort bist und alle deine Freunde nicht? Ist es die Sonne, die dich blendet und deine Stirn in Falten wirft oder ist es der Schatten deines Strohhuts? Magst du es wirklich, wie der Sand zwischen deinen Zehen klebt, sich in deine Pobacken und deine Ohren verkriecht oder lieber die Liege neben dem kleinen Tisch, wo du dein Getränk abstellen kannst? Ist es das Meerwasser das deine Haare bleicht und sie komplett verwuschelt oder lieber der schöne Flechtzopf, der nicht nass wird und immer top aussieht? Der Strand ist kein Ort für Make Up, Designer Sonnenbrillen, Choker oder Flowercrowns. Ich habe zudem noch nie verstanden, wieso es hierzulande anscheinend normal ist, den Bikini zu wechseln jedes Mal nachdem man im Wasser war.

Der Strand ist ein Naturwunder, ein Ort voller Macht und Magie. Ein Tag am Strand ist wie ein ganzes Leben.

In der früh ist der Sand noch kühl und feucht. Es ist Ebbe, die Steine sind voller Moos und Algen sind für alle sichtbar. Ein paar daumengroße durchsichtige Krabben bewegen sich hier und da, fast unsichtbar. Das Licht ist klar und angenehm, es ist noch nicht zu heiß. Einige Jogger laufen am Ufer entlang und auf den Felsen versuchen drei alte Fischer ihren Glück. Es ist Still und die Möven treiben durch die Luft in der Umgebung. Dann kommen die ersten Gäste: Großeltern mit ihren Enkelkindern, viel buntes Plastikspielzeug und gestreifte Sonnenschirme. Es wird lauter.

Gegen Mittag steht die Sonne im Zenit. Es ist heiß, fast unerträglich und es geht kein Wind. Die Augen werden mit Sonnenbrillen vor der Helligkeit geschützt und die Farben verlieren ihre Sättigung. Das Meer bewegt sich kraftvoll dem Land entgegen und verdeckt langsam aber sicher alle Steine. Die Familien verlassen den Ort, denn es ist nicht mehr gesund für kleine Kinder. Stattdessen kommen junge und alte Frauen, die sich oben ohne sonnen und die anderen beobachten. Es wird ruhiger.

Am frühen Nachmittag ist der Sand so trocken und heiß, dass man nicht darauf gehen kann. Die Steine sind verschwunden und die Sonne strahlt eine angenehme Wärme aus. Der Strand füllt sich mit jungen Leuten, die Fußball oder Volleyball spielen. Im Wasser kann man ein paar Fische entdecken, wenn man schnell genug taucht. Es ist laut.

Am späten Nachmittag färbt sich der Himmel rot. Der Sand ist angenehm warm und es geht ein leichter Wind. Verliebte Pärchen spazieren Hand in Hand oder küssen sich im Wasser. Die Wellen verschlucken die letzten Sandburgen während die verbliebenen Menschen ein Buch lesen oder Karten spielen. Es ist ruhig.

Am Abend kommt die Flut. Der Himmel wird dunkler und die Sonne verschwindet. Ein paar Fischerboote nähern sich und bringen den Fang des Tages zum Strand. Die Möven kommen zurück und versuchen ihren Glück.  Die Parkplätze sind leer, die Mülltonnen voll.

If the beach is your happy place – what is mine then? Erst jetzt als ich in Portugal war, wurde mir dies wieder bewusst. Ich saß noch auf meinem Fensterplatz, tausende Meter über dem Boden, sah die braune Erde, die verbrannten Bäume und dann den endlos blauen Ozean. Ohne, dass ich es hätte kontrollieren können, füllten sich meine Augen mit dieser klaren, salzigen Flüssigkeit, die genauso schmeckt wie das Meerwasser. Die Tränen rollten leise über meine Wangen, während sich meine Lippen zu einem Lächeln formten und es fühlte sich an als würde sich mein Herz aus einem eisernen Käfig befreien. Es klingt womöglich richtig bescheuert und es mag an der Melancholie meiner Herkunft liegen, aber nichts auf dieser Welt macht mich glücklicher als barfuß am Strand zu stehen.

The beach is my happy place…

… auch wenn der Wind pfeift, meine Haare in mein Gesicht peitscht und das Strandtuch voller Sand ist.
… auch wenn das Wasser kälter ist als jeder Gefrierschrank und mein Herz bei jedem Sprung ins Wasser fast stillsteht.
… auch wenn das Salz auf meiner Haut trocknet und leichte Schuppen hinterlässt.
… auch wenn die Algen meine Füße im Wasser kitzeln und ich sie eigentlich richtig eklig finde.

Auch dann oder vor allem dann bin ich am glücklichsten. Ich wurde weniger Meter vom Strand geboren und bin am Strand aufgewachsen und ich glaube fest daran, dass mein Blut schneller fließt wenn ich das Meerwasser riechen kann. Es gibt für mich nichts schöneres als am Strand zu joggen, verschwitzt ins Wasser zu springen und dann mit dem Blick zum Horizont ein paar Yoga Übungen zu machen. Nichts schöneres als auf den Felsen zu sitzen, mit den Füßen im Wasser, die Wellen zu zählen und den Geräuschen zu lauschen, die sie machen. Wenn man aufpasst, kann man auch hören wie sie mit einem reden – und was sie sagen! Kein anderer Ort kennt mich so gut wie dieser und keine andere Person kann mir so gute Ratschläge geben. Mir fehlen die Worte um diese Empfindungen zu beschreiben und ich wünschte ich hätte mehr schlaue und philosophische Bücher gelesen, die mir helfen könnten diese Gedanken in Worte zu fassen. Es gibt einen Grund weshalb wir Portugiesen den „Fado“ erfunden haben und der hat sicherlich mit den 850 km Küstenlandschaft zu tun. Und es ist derselbe Grund weshalb ich mir nicht nur heróis do mar sondern auch eine Muschel tätowieren habe lassen.

S a u d a d e

Natürlich mögen die meisten Menschen den Strand. Und das sollen sie auch. Der Strand ist ein wunderbarer Ort und ich freue mich über jeden, der am Strand glücklich ist.

But the beach is not your happy place… it is mine!