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Am 23. April war es endlich soweit und ich bin meinen ersten Halbmarathon gelaufen.

Pause.
Diesen Satz muss ich mir erstmal auf der Zunge zergehen lassen.

Ich war nie besonders sportlich. Garnicht sportlich um genau zu sein. Als Teenager mussten wir oft im Sportunterricht laufen gehen und das habe ich regelrecht gehasst. Ich konnte damals meinen Atem nicht dem Lauftempo anpassen und bekam sofort Seitenstechen. Dadurch habe ich das Laufen gehasst – zumindestens bis meine damalige beste Freundin mir das Atmen beigebracht hat. Ja, auch das will gelernt sein!! Ich zählte also immer mit: 1-2-3 Schritte einatmen, 1-2-3 Schritte ausatmen.

Vor 3 Jahren habe ich angefangen regelmäßig laufen zu gehen und so begann meine „Fitnesskarriere“. Ich wohne direkt am Donaukanal und die Strecke am Wasser ist einfach perfekt dafür. Anfänglich war die Strecke 4 bis 5 Km lang. Das Ziel war es nicht schnell zu sein sondern zu überleben. Kurz darauf verlängerte ich die Strecke auf 7 Km und sie wurde zu meiner Stammroute. Damals habe ich für die Strecke über 1 Stunde gebraucht, ich konnte dabei nicht reden und wurde rot wie eine Tomate. Heute laufe ich dieselben 7 Km gemütlich unter 40 Minuten. Unglaublich, wozu der menschliche Körper fähig ist, wenn man hartnäckig ist und am Ball bleibt, oder?

Mein Training für den Halbmarathon

Vor einem Jahr wurde ich dann übermütig und erzählte im Freundes- und Familienkreis, dass ich irgendwann gerne einen Halbmarathon laufen würde. Kein Wunder, dass ich zu Weihnachten die Anmeldung für den Vienna City Marathon geschenkt bekommen habe. Es gab also kein Zurück mehr und ich begann sofort für das Event zu trainieren.
Das Training bestand aus 3 Laufeinheiten pro Woche, wobei ich trotzdem noch nebenbei Crossfit gemacht habe.

Intervall Training –

1 Zyklus: 100m sprinten + 100m traben. In der ersten Woche 8x, in der zweiten 9x usw. bis 14x
2 Zyklus:
6x 500m sprinten + 100m traben in Woche 1
5x 600m S + 100m T in Woche 2
4x 700m S + 100m T in Woche 3
4x 800m S + 100m T in Woche 4
3x 900m S + 100m T in Woche 5
3x 1000m S + 100m T in Woche 6

Kurzer Dauerlauf – meine Stammroute von 7 Km
Langer Dauerlauf – zwischen 12 und 19 Km bei gemütliches Tempo

Die richtige Ernährung als Vorbereitung für den Halbmarathon

Für die Zeit kurz vor dem Halbmarathon habe ich mir wieder eine Paleo Challenge gestellt. Was die Challenge beinhaltet und wie es mir dabei ging seht ihr im Video.

Der Tag des Halbmarathons

Am Abend vor dem Lauf bin ich sehr früh ins Bett gegangen. Mir schwirrten allerdings tausende Gedanken durch den Kopf und ich bin noch sehr lange wach gelegen. Am großen Tag bin ich zeitig aufgestanden und habe bewusst ähnlich gefrühstückt wie sonst immer: Eierspeise mit Süßkartoffel und frischen Orangensaft. Ich dachte mir, wenn das Frühstück an einem Trainingstag funktioniert, dann tut es sicherlich auch am Wettkampftag.

Auf dem Weg zum Start ist meine Nervosität immer mehr gestiegen. Die U-Bahn war voll mit Läufern in voller Sportmontur. Überall sah ich Startnummern, Laufschuhe und Trainingstaschen. Endlich beim Vienna International Center angekommen, musste ich natürlich erstmal die öffentlichen WCs besuchen. Das Warten in der Schlange dauerte ganze 40 Minuten und ich konnte in der Zeit die Tausenden von Menschen beobachten, die sich an der Wagramer Straße versammelt hatten.

Das Rennen

Als ich mich in meinen Startblock einreihte, wurde ich auf einmal von der ganzen Situation überwältigt und mir kamen die Tränen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl dort zu stehen und zu wissen was gleich passieren würde. Über 40.000 Menschen standen da, bereit los zu laufen, einfach so weil es Spaß macht – und ich war einer davon. Vor 2 Jahren hätte ich jeden ausgelacht, der behauptet hätte, ich würde einmal in dieser Situation sein. Aber ich war in genau dieser Situation.

Dann ertönte das Signal.
„Es ist soweit. Lauf einfach los. Du schaffst das.“

Ich lief einfach darauf los und beobachtete den Boden unter meinen Füßen, das Straßenbild, welches sich ständig veränderte, die Menschen, die ich überholte und auch die, die mich überholten. Nach den ersten 5 Minuten fing ich damit an, meinen Atem zu kontrollieren. Ich hatte im Vorfeld zwei Treffpunkte mit meinem Freund ausgemacht, an denen er mir jeweils ein kleines Fläschen mit einem zuckerhaltigen Getränk geben sollte. Beide klappten wunderbar – nur dass das Getränk viel zu süß und klebrig war und ich dadurch noch mehr Durst bekam.
Das Rennen an sich lief ganz gut und ohne Wind oder Regen – wofür ich übrigens sehr sehr dankbar bin. Ca. 2 km vor dem Ziel bekam ich allerdings böse Krämpfe an den Waden. Ich war im Training nur maximal 19 km gelaufen – und das auch nur 2 Mal. Mein Körper sendete also erste Erschöpfungssignale aber ich wollte so kurz vor dem Ende natürlich auf gar keinen Fall aufgeben. Ich lief die letzten Minuten unter ständigem Schmerz weiter und der geplante Zielsprint war nicht mehr möglich. Unter diesen Umständen war ich sehr froh, nach 2 Stunden und 10 Minuten endlich die Ziellinie zu überqueren.

Nach dem Halbmarathon…

Ich hätte niemals gedacht, eine solche Belastung auf mich zu nehmen und doch habe ich es gemacht. Mit einer durchschnittlichen Pace von 6:10 km bin ich unter meiner Zielzeit von 2:15 geblieben und das macht mich heute noch überglücklich. Ich wäre die 21km zwar gerne in 2:06 gelaufen, mit einer Pace von 6:00, aber das war einfach zum Schluss mit den Krämpfen nicht mehr möglich. Außerdem habe ich so einen Grund mich beim Nächsten noch mehr anzustrengen – Ja, es wird definitiv ein nächstes Mal geben und darauf freue ich mich ehrlich gesagt schon riesig!

…ist vor dem Halbmarathon