Ende September konnte man in Wien den Handwerkern aus dem Hause Hermés über die Schulter schauen. Le festival des métiers fand in der spanische Hofreitschule statt und war kostenlos für jeden zugänglich. Da ich im Urlaub war habe ich es erst am letzten Tag geschafft, die Ausstellung zu besuchen und obwohl ihr jetzt nicht mehr die Chance habt es selber zu erleben, möchte ich euch mit diesem Beitrag einen kleinen Überblick geben, was dort passiert ist.

Aber first things first: Hermés ist ein französisches Familienunternehmen, das 1837 gegründet wurde und in der Herstellung sehr hochwertige Sattler und andere Lederartikel seine Ursprünge hat. Heute ist die Luxusmarke u.a. bekannt für die sündhaft teure Birkin Bag und die bunten Carrés (Seidentücher).

Die Ausstellung bestand aus mehrere kleine Stationen, in denen jeweils einen Handwerk vorgeführt wurde. So konnte man zum Beispiel die 10 Schritte vom Leder bis zum fertigen Handschuh beobachten. Am hochwertigsten ist ein Lederhandschuh natürlich dann, wenn es von Hand gefertigt und genäht wird. Das erkennt man daran, dass sich die Nähte (oft in einer Kontrastfarbe) auf der Außenseite befinden und sehr sichtbar sind. Sieht man die Nähte nicht bedeutet es, dass der Handschuh maschinell „von links“ genäht und anschließend umgedreht wurde.

Sehr beeindruckend war auch die Station mit der Kelly Bag. Diese Traumtasche wird 100% per Hand gemacht! Jeden einzelnen Stich muss genauestens durch das Leder gestochen werden und der ganze Prozess kann mehrere Tage dauern. Da wundert es mich nicht, dass sie so teuer und limitiert ist, und dass es sogar Wartelisten gibt 🙂

Am besten hat mir allerdings die Station der bunten Carrés gefallen und ich war wirklich überrascht, wie unglaublich aufwendig deren Herstellung ist. Ich werde versuchen es euch so einfach wie möglich zu erklären und falls es Profis unter euch gibt – nimmt es mir bitte nicht so übel wenn es nicht 100% genau ist 😉 Also zuerst wird natürlich das Design entwickelt. Das Motiv wird dann auf Transparentpapier übertragen und in Farben aufgeschlüsselt, d.h.z.B. alle dunkel rote Flächen des Motivs werden auf einem „Blatt“ gesammelt, alle hell rote Flächen auf einem anderen Blatt usw… Aus diesen „Farbblätter“ entstehen dann Metallrahmen die eine Art Sieb an den Stellen enthalten, wo die gewünschte Farbe aufgetragen werden soll. Parallel dazu wird die Seide verarbeitet und in gleich große Stoffbahnen zurecht geschnitten. Diese werden dann über einen großen Arbeitstisch millimeter  genau gespannt. Nun vereinen sich beide Arbeitswege. Die Farbrahmen werden an extra dafür angefertigte Verbindungspunkte am Tisch festgemacht und die Farbe kann so eine nach der anderen auf den Stoff übertragen werden. Zwischen dem Übertragen von zwei Farben muss immer eine gewisse Zeit vergehen, damit die Farbe trocknen kann und so zieht sich dieser Prozess ganz schön in die Länge. Uns wurde erzählt, dass der durchschnitts- Carré ca. 20 Farben hat, der bunteste bisher 72 !!! Erstaunlich fand ich, dass alle Carrés der gleichen Größe das gleiche Kosten. Die kleinsten liegen bei 150€ und die größten bei 850€.

Ich war vom ganzen Event schwer beeindruckt und die Carrés sind definitiv auf meiner Wish List gelandet!