Als ich The Chocolate Suitcase gegründet habe, sollte diese Spielwiese ein Fashionblog werden. Ich habe es schon immer gemocht, mir Gedanken über meine Kleidung zu machen und mich hübsch anzuziehen. Ich habe viele Komplimente zu meinem Style bekommen und mir gefiel der Gedanke, ich würde mich außergewöhnlich kleiden. Ich mochte Pink und Glitzer, Highheels und Schleifen, Taschen und Schuhe, die zusammenpassten und alles was teuer war oder danach aussah. Ich entwickelte mit der Zeit den zwanghaften Drang „anders“ sein zu wollen und „anders“ aussehen zu müssen. Immer auf der Suche nach den außergewöhnlichen Teilen und verrückten Kombinationen, habe ich so gut wie alle Phasen durchgemacht, die es in der Fashionwelt so gibt: von Punk bis Hippie zu Rock oder Rich Girl – zu jedem Anlass und jeder Stilrichtung gab es etwas in meinem Schrank. Meine Leidenschaft war so groß, dass ich Mode sogar zu meinem Beruf machte.

Doch irgendwann änderte sich etwas.

Ich weiß nicht genau, was zuerst passiert ist, oder wie sich die einzelnen Komponenten gegenseitig beeinflusst haben, aber auf einmal war vieles anders.

Fashionblog Portrait

Als Teenager und in den frühen Zwanzigern machte ich mir einen Spaß daraus, immer gegen den „Mainstream“ zu sein. Ich trug Strickponchos in der Zeit von taillierten Mänteln, stylische Jogginghosen in der Zeit von Skinny Jeans und ausgefallene Sneaker in der Zeit von Penny Loafer und High Heels. Und plötzlich wurden alle diese Dinge, die ich liebte, zu einem Trend und waren überall zu sehen. Mein ach-so-cooler-Style wurde alltäglich und ich begann die Suche wieder von vorne.

Gleichzeitig brach die Social Media Welle über uns aus. Viele junge Frauen, die wie ich, einen besonderen Style in Ihrer Umgebung hatten, teilten ihre Looks im Internet. Meinen ach-so-individueller- Style war also gar nicht mehr so individuell. Immer noch in meiner fiktiven Welt gefangen, suchte ich verzweifelt nach einer neuen Möglichkeit, mich von der Masse abzuheben. Was sich geändert hatte, war allerdings die Definition von „Masse“. Früher wollte ich einfach cooler sein als meine Mitschülerinnen oder Nachbarinnen. Jetzt wollte ich cooler als alle Fashionbloggerinnen sein. Ich brauche euch kaum sagen, dass mich diese Suche unglaublich unter Druck setzte und mich in den Wahnsinn trieb.

Ich verlor die Lust über Mode zu schreiben und Outfits zu posten und fing an mich zu fragen, was aus meinem Fashionblog werden sollte. Mit der Zeit habe ich gelernt, die Situation zu akzeptieren. Ich trage immer noch gerne meine stylischen Jogginghosen und muss nicht mehr zwanghaft jeden „neuen Trend“ mitmachen. Wenn ich zum Supermarkt gehe, sehe ich aus wie jeder normale Mensch, trage Jeans mit einem einfachen Pulli und habe einen Pickel mitten auf der Stirn. Und wenn ich ausgehe packe ich gerne Glitzer aus und Rüschen und die durchsichtigen Sachen und die Oversized Mäntel. Ich habe den Spaß an Mode wieder gefunden und habe mir endlich eingestanden, niemanden gefallen zu müssen, nur mir selber.

Das heutige Outfit ist ein Beispiel dafür. Es entstand im Rahmen unsere Bloggerreihe „One Trend Different Styles“ zum Thema Schleifen & Schluppen. Ich hatte meine erste Schluppenbluse als ich 15 war. Sie war beige, leicht durchsichtig und mit schwarzen Punkten – damals ein ganz heißer Trend. Die Bluse wurde irgendwann vergessen und nicht mehr getragen, obwohl es sie übrigens immer noch in meinem Kleiderschrank gibt. Jetzt, über 10 Jahre später sind Schluppen wieder „ein Ding“. Ich entschied mich trotzdem für eine Schluppe der etwas anderen Art – nämlich selbst gemacht und kombiniere sie mit anderen aktuellen Trends (off shoulder, Glockenärmel, metallischen Glanz). So funktioniert es ja heute in der Bloggerszene. Trotzdem ist das Outfit zu 100% Natacha.

Schluppe: diy // Oberteil: Free People via Zalando // Rock: Tommy Hilfiger // Schuhe: Zara

Schluppenbluse selbstischen

Und mein Fashionblog? Nun – den gibt es noch und er ist heute gleichzeitig ein Fitnessblog, ein Foodblog, ein Travelblog und ein Lifestyleblog. Er ist alles was ich will und alles was ich bin. Denn auch wenn früher Mode mein Leben bestimmt hat, habe ich inzwischen erkannt, dass viel mehr dazu gehört.

Mehr Inspiration zum Trend Schluppen findet ihr wie immer bei den Mädels