Ein Crossfit Wettkampf ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle – egal ob man als Athlet oder Zuschauer dabei ist. Die Zuschauerseite kenne ich bereits sehr gut. Vor kurzem bin ich zum ersten Mal als Athletin angetreten und konnte die andere Seite kennenlernen.

Ein Crossfit Wettkampf…

Ich weiß ganz genau wie so ein Crossfit Wettkampf aussieht, denn schließlich begleite ich Chris zu 95% seiner Wettkämpfe. Ich kenne den Ablauf, den Aufbau, die Lokalitäten und sogar fast alle Menschen. Ich weiß wie er vorher schlafen muss, was und wann er vorher/währenddessen/nachher essen muss und was er zwischen den Workouts macht. Ich bin meistens so aufgeregt ihn antreten zu sehen, dass ich selber nicht richtig schlafen kann und gar keinen Hunger habe (und ich habe normalerweise immer Hunger). Es breitet sich ein Gefühl der Hilflosigkeit in mir aus wenn ich das Ruder aus der Hand geben muss und absolut nichts mehr für ihn tun kann, denn auf dem Competition Floor ist jeder auf sich alleine gestellt. Vielleicht habt ihr schon das ein oder andere Video gesehen und ganz mitgekriegt, wie ich mir jedes Mal die Seele aus dem Leib schreie. Ich weiß, dass er mich nicht hören kann, aber in dem Moment kann ich es einfach nicht anders – es ist das Einzige was mir noch bleibt. Wenn ich als Zuschauerin dabei bin – vor allem als seine Zuschauerin – dann erlebe ich schon eine Achterbahnfahrt der Gefühle, aber es ist dann doch nochmal etwas ganz anders, als Athletin dabei zu sein.

Es ist so: wenn du als Athlet irgendwo antrittst, dann liegt es allein an dir. DU musst dein Bestens geben, DU darfst nicht aufgeben, DU musst immer weiter und musst am besten auch noch Spaß dabei haben. Es können im Laufe des Tages viele unerwartete Dinge passieren, wie z.B. dein Judge gibt dir unberechtigte no Reps (sowas wie ein Faul, eine Wiederholung, die nicht zählt), das Rudergerät funktioniert nicht, es ist zu heiß, zu kalt, was auch immer. Aber am Ende des Tages zählt nur das Ergebnis und es liegt an DIR, damit zufrieden zu sein oder nicht.

Da ich schon öfters bei Laufwettkämpfen mitgemacht habe (VCM, Frauenlauf, Night Run, etc.) dachte ich, ich sei auf die Crossfit Competition vorbereitet. Natürlich ist man immer aufgeregt und ein bisschen Nervosität ist auch ganz gut, finde ich. Es zeigt dir, dass es dir wichtig ist. Aber die Aufregung, die ich vor der Starship Trophy gespürt habe war doch ganz anders – und jetzt werde ich sehr ehrlich mit euch sein und euch mein Herz öffnen…

Bei einem Laufwettbewerb bin ich eine von (sehr) vielen. Die Zuschauer sehen, wie ich vorbei laufe, aber nach einigen Augenblicken bin ich schon wieder weg. Vor mir sind bereits hunderte von Menschen ins Ziel gekommen und nach mir kommen noch zig weitere. Du wirst sozusagen nicht wirklich als Individuum wahrgenommen. Beim Crossfit ist es anders. Nur eine begrenzte Anzahl an Athleten macht das Workout zeitgleich mit dir. In diesem Fall waren es neun. Neun Personen, mit denen du automatisch direkt verglichen wirst und die du im besten Fall hinter dir lässt. Denn auch wenn man – wie in meinem Fall – keine Aussichten aufs Podium hat und hauptsächlich aus Spaß an der Sache mitmacht, ist und bleibt es ein Wettkampf und ist da, um sich mit anderen zu messen.

Dazu kamen noch zwei wichtigen Punkte. Zum einen stehe ich mit meinem Blogger Dasein in der Öffentlichkeit. Ich zeige euch tagtäglich meine Sportroutine und stelle mich selber als eine fitte Person dar. Zum anderen ist mein Freund Chris zur Zeit so ziemlich der erfolgreichste Crossfitter Österreichs, jemand den die ganze Community kennt. Diese Gedanken schwirrten durch meinen Kopf und erzeugten einen immensen Druck, den ich nicht kontrollieren konnte. Was werden die Leute von mir denken, wenn ich versage? Wie peinlich könnte das enden, wenn er erster wird und ich letzte? Ich stellte mir vor, was andere von mir erwarten würden und habe vergessen darauf zu hören, was ich selber von mir erwarte.

Denn das, was keiner auf dem Competition Floor sieht, ist die individuelle Vergangenheit und die persönlichen Struggles der einzelnen Athleten. Euch meine ganze Geschichte zu erzählen würde hier den Rahmen sprengen, aber ihr könnt mir ruhig glauben, wenn ich sage, dass ich früher ein ganz unsportlicher, tollpatschiger und ängstlicher Mensch war. Kondition = 0,  Kraft = 0, Koordination = 0, Mobilität = -10, Mut = 0 (bei körperlichen Sachen, wie Springen, Klettern, Kopfüber usw…). Das hat sich inzwischen etwas geändert – zum Glück.

Die Starship Trophy

Aber nun zum Wettkampf.

Das erste Workout war: 300m Schwimmen gefolgt von 1,6km Laufen. Dieses Workout wurde schon vorher veröffentlicht, so dass alle es üben konnten. Ich hatte mich darauf gefreut, da ich, wie ihr wisst, sehr gerne und oft laufe und dachte, ich würde ganz gut abschneiden. Womit ich nicht gerechnet habe war die enorme Nervosität, die ich oben beschrieben habe. Ich habe viel zu schnell angefangen, so dass mir schnell die Luft beim Schwimmen weg blieb. Mir wurde richtig übel und beim Laufen hatte ich nicht nur böses Seitenstechen sondern auch großes Interesse daran, mein Mageninhalt los zu werden. Es lief dementsprechend schlecht und am liebsten hätte ich den Wettkampf abgebrochen.

Das nächste Workout war etwas ganz anderes: 1 Power Clean + 1 Hang Power Clean + 3 Frontsquats, alles ohne die Stange abzusetzen und mit so viel Gewicht wie möglich. Ich habe mich richtig angestrengt – wie man auf diesen Bildern sieht – und konnte mein PR (personal record) Gewicht von 45 Kg erreichen. Natürlich waren ein paar stärkere Mädels dabei, aber es war meine absolute Bestleistung und ich war der glücklichste Mensch der Welt 😀

Auch die restlichen Workouts liefen ganz ok. Ich war meistens im guten Mittelfeld, aber dank des katastrophalen ersten Workouts war meine gesamt Punktzahl nicht gut genug um ins Finale zu kommen.

Die Starship Trophy war für mich dennoch ein voller Erfolg. Ich bin über meinen Schatten gesprungen, habe geweint & gelacht, geschrien & geseufzt, war müde & voller Energie, dreckig und erschöpft. Vielen vielen Dank an meinem „Fan Club“, der mich stets angeschrien, Fotos gemacht und mir auf die Schulter geklopft hat! Erst durch euch hat das alles so viel Spaß gemacht <3 Nächstes Jahr möchte ich wieder eure Dienste in Anspruch nehmen 😉

T-shirt: my beautiful things // Ananas BH & Ananas Leggings: Hey Honey

 

Fotos @Birgit Chytracek Fotografie