Bouldern, meine Höhenangst & Ich

Werbung / Das Leben steckt voller Überraschungen und eine davon habe ich, gegen alle meine Erwartungen, in einer Kletterhalle gefunden. Ich habe eine Überraschung erwartet und es auch darauf ankommen lassen. Das ist immerhin der Sinn und Zweck der #12months12sports Challenge: neue Dinge ausprobieren, die Komfortzone verlassen, ein paar Striche auf der Bucket List machen und wer weiß, vielleicht auch eine neue Leidenschaft finden.

Meine Höhenangst & Ich

Mein erstes Mal in der Boulderbar Vienna war der Horror schlechthin. Der Grund war meine Höhenangst. Es gibt zwei verschiedene Situationen bei der Höhe eine Rolle spielt. Zu der ersten Gruppe gehören Situationen, bei denen die Kontrolle über Scheitern und Erfolg eindeutig nicht in meiner Macht liegt. Dazu gehört z.B. fliegen, mit dem Aufzug fahren oder im Heißluftballon schweben. Diese Situationen sind für mich vollkommen unproblematisch. Im Gegensatz zu den Situationen der zweiten Gruppe, bei denen es theoretisch (und praktisch) an mir liegt, ob ich runter falle oder nicht. Dazu gehört z.B. auf eine Leiter steigen, Klettern und manchmal sogar auf Wanderwegen bergab gehen.

Ich hatte früher wenig bis gar kein Vertrauen in meinen Körper bzw. seine Fähigkeiten. Ich hatte weder ein gutes Gleichgewichtsgefühl noch Kraft in den Armen, um mich gut irgendwo festzuhalten. Ich war davon überzeugt, dass mein Körper ein Versager ist und geriet regelmäßig in Panik. Der Weg aus diesem schwarzen Loch ist lang und steinig und ich bin noch nicht ganz am Ende angekommen. Aber der Weg hinter mir ist eindeutig länger, als der, der mir noch bevor steht. Sowohl Crossfit als auch meine anderen Aktivitäten im Rahmen der Challenge haben positiv dazu beigetragen. Doch Bouldern veränderte das Spiel rasant schnell.

Bouldern in der Boulderbar Vienna

Beim Bouldern muss man eine ca. 4 Meter hohe Wand hinaufklettern – und zwar ungesichert. Die Wände sind aber nicht immer gerade, sondern haben oft einen Über- oder Unterhang. Außerdem kann man keinen beliebigen Weg nach oben nehmen, sondern eine von den farblich markierten Routen. Diese sind nach Schwierigkeitsgrad gekennzeichnet: in der Boulderbar z.b. ist 4- das einfachste, dann kommt 4, 4+, 5-, usw… bis ca. 7+. Es spielt also absolut keine Rolle, wie erfahren oder sportlich man ist. Es gibt immer irgendeine Route, die man in der Lage ist zu absolvieren.

Bouldern in der Boulder Bar Vienna ist einfach gestaltet. Man kann Monatskarten kaufen oder eine bestimmte Anzahl an Einheiten. Es werden auch Kurse angeboten, aber ich wollte flexibel bleiben und entschied mich gegen die Kurse. Als absolute Anfängerin und Angsthase bin ich natürlich nicht alleine Bouldern gegangen, sondern habe mir immer eine Freundin oder Chris geschnappt.

Zum Bouldern benötigt man bestimmte Schuhe, die ganz eng geschnitten sind und eine spezielle Gummisohle haben, mit der man sich besser an der Wand entlang hangeln kann. Man muss diese Schuhe aber nicht sofort kaufen, sondern kann sie ganz bequem und ohne Gebühr vor Ort ausleihen. Die einzige Ausrüstung, die ich persönlich empfehlen würde, ist sich etwas Kalk zuzulegen, egal ob als Pulver oder Creme. Der Kalk hilft einen besseren Griff zu haben und sich nicht die Hände aufzureißen.

Bouldern & Ich – Mein Fazit

Fakt ist: ich habe am Anfang geweint wie ein Baby, habe geschimpft und geflucht und mich immer wieder gefragt wieso zum Teufel ich mich freiwillig in so eine Situation bringe. Und da war das Schlüsselwort: freiwillig. Ich musste mich nur selber daran erinnern, dass mich absolut niemand dazu gezwungen hat und, dass es meine eigene Entscheidung war. Ich wusste schon vorher, dass ich stärker aus der Situation heraus kommen würde – hier meine ich hauptsächlich meine mentale Stärke, keine körperliche – und das war doch das ursprüngliche Ziel.

Der Weg aus der Angst heraus geht nur durch die Angst hindurch – Dieter Lange

Erfahrung boulderbar Vienna

Mit jedem Mal in der Kletterhalle hatte ich mehr Spaß. Hatte ich am Anfang zittrige Hände? Ja. Hatte ich Schweißausbrüche vor Angst? Ein paar. Musste mir Chris beim Absteigen helfen weil ich einfach nicht mehr konnte? Manchmal. Aber wenn man sich darauf einlässt und viel Geduld hat, dann kommen die Erfolgserlebnisse ganz schnell und fast von alleine und mit jeder geschafften Route steigt das Selbstvertrauen. Ich kann euch gar nicht sagen, wie Stolz ich hin und wieder auf mich war! Ich kann nicht behaupten, meine Höhenangst komplett überwunden zu haben. Aber ich weiß jetzt ein bisschen besser, dass ich meinem Körper vertrauen kann und, dass er Dinge kann, die mir am Anfang unmöglich erscheinen. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit und wünsche euch, dass auch ihr den Mut findet, Dinge zu versuchen, vor denen ihr Angst habt. Das kann Bouldern sein – muss es aber nicht 🙂

*mit freundlicher Unterstützung von der Boulder Bar Vienna